Hack-Museumsgarten
Hack-Museumsgarten
Fünf Menschen - fünf Meinungen
Fünf Menschen - fünf Meinungen

Rene Zechling
Mit dem Buch zum Gartenprojekt: Rene Zechlin.
„Eine Brücke zur Stadtgesellschaft“ – vor allem das ist der Hack-Museumsgarten für Rene Zechlin, seit fast drei Jahren Direktor des benachbarten Wilhelm-Hack-Museums. „Hier ist ein neuer sozialer Raum entstanden, an dem sich verschiedene Gruppen, Kulturschaffende, Vereine und Bürger aller Nationalitäten treffen“, sagt der 43-Jährige. „Das ist das Begeisternde an diesem Projekt.“ Es gehe im Wesentlichen darum, an diesem Ort etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen, ein Stück Natur mitten in die Stadt zu pflanzen und damit eine positive Außenwirkung zu erzielen – natürlich mit dem charmanten Nebeneffekt für das Museum, Werbung in eigener Sache zu betreiben und sich eine neue Klientel zu erschließen. „Für uns als Museum geht es darum, den Elfenbeinturm zu öffnen und Interesse zu wecken. Der Garten ist ein Bindeglied zur Stadtgesellschaft. Wir lassen sozusagen von drinnen nach draußen die Brücke herunter.“ Und auch für Zechlin selbst schafft der Garten, in dem mittlerweile rund 200 Menschen regelmäßig werkeln, Freiraum im Alltag. Zu Hause hat der gebürtige Würzburger nämlich nur einen Balkon.Steffen Gierescher/Foto: Kunz
Bärbel Bähr-Kruljac
Bibelgärtnerinnen: Susanne Schramm und Bärbel Bähr-Kruljac.
Das Bibelgärtchen der evangelischen Kirche ist von Anfang an beim Hack-Museumsgarten dabei. „Wir mussten noch nicht einmal die Erde austauschen“, sagt Religionspädagogin Bärbel Bähr-Kruljac (54) zu Beginn der sechsten Saison. Im Beet, das sie zusammen mit Citypfarrerin Susanne Schramm pflegt, finden sich „Pflanzen aus Israel oder solche, die in der Bibel vorkommen“. Deren Pflege sei auch nicht komplizierter als die europäischer Pflanzen, versichert Bähr-Kruljac. Dreimal pro Saison bittet die Kirche auch zu Treffen am Bibelgärtchen. Bei denen geht es am 3. Mai, 5. Juli und 13. September (jeweils ab 17 Uhr) natürlich auch ums Lutherjahr. Konkret werden die Pflanzen Löwenzahn, Ehrenpreis und Kornblume besprochen. Und der Bezug zu Luther? Bähr-Kruljac: „Diese drei sind wie 22 andere Heilpflanzen auf dem Bild Luthers am Cranach-Altar in der Weimarer Herderkirche zu sehen.“ Sie liebt den Hack-Garten. „Eine tolle Gemeinschaft.“ Manchmal übernehmen die anderen Gärtner sogar das Gießen. „Den Wüstenpflanzen ist es daher zu nass. Aber das macht nichts. Wir pflanzen ja auch sehr gerne“, sagt Bähr-Kruljac und lacht. Axel Nickel/Foto: Kunz
Dieter Kaetelhoen
Küche international: Dieter Kaetelhoen und Sungsook Park.
Als Gärtner, Koch, Bühnenbauer und Organisator beschreibt sich Dieter Kaetelhoen. Eigentlich ist er aber gelernter Zimmermann, engagiert sich beim Amateurtheater „SpielArt“ in Ladenburg und ist im Hackgarten gerade dabei, koreanische Kimchi-Suppe und Bärlauch-Pfannkuchen zuzubereiten. Dafür hat er seit März 2013 seine „Pflanz-Bar“ und heute eine kundige Mit-Köchin. Die 52-jährige Sungsook Park stammt aus Korea, wohnt aber seit zwei Jahren in Schriesheim. Bis heute morgen kannten sich die beiden noch gar nicht. Aber der Hackgarten ist eben ein Ort der Begegnungen. Seit 14 Uhr schnippeln sie Gemüse, damit bei der Eröffnung um 17 Uhr alle satt werden. Sein Alter möchte Dieter Kaetelhoen nicht verraten, dafür aber, dass Kimchi eine traditionelle koreanische Speise ist: fermentierter Chinakohl. „Das wird dort morgens, mittags, abends gegessen“, sagt der Koch. Er hat selbst eine Zeit lang in Korea gelebt. In seiner „mobilen Gartenküche“ kocht er bei Veranstaltungen im Hackgarten. Ob er hier auch ein Beet habe? „Meine Küche ist mein Beet“, sagt er und zeigt auf Pflanzen, die zwischen Zutaten stehen. Rebekka Sambale/Foto: Kunz
Johannes Grassl
Hat großen Respekt vor den Eisheiligen: Johannes Graßl.
Die vergangenen zwei Wochen lang war Johannes Graßl schon im Hackgarten fleißig, um sein Beet für den offiziellen Auftakt der Saison mit vielen Gästen am vergangenen Freitagabend zu schmücken. Die ersten Kräuter sind schon erblüht. Daher heißt es jetzt auch schon: Wasser marsch aus der pinkfarbenen Kulturgießkanne. Als „Kind der Berge“ wisse er aber, so erzählt der 60-Jährige, dass man mit dem Pflanzen empfindlicher Gewächse noch warten müsse, bis die Eisheiligen vorüber sind. Graßl ist im Museumsgarten seit der ersten Stunde gemeinsam mit seiner Frau Monika mit von der Partie. In diesem Sommer wird das Paar von der Familie Ahmad unterstützt, die aus Pakistan nach Ludwigshafen geflüchtet ist. Ahmed (36) und Aisha (32) und die Kinder Nadja (7) und Labeeb (4) kümmern sich um die Pflanzen, wenn Graßl mit seiner Frau mal Urlaub macht. Der Junge mit der roten Schirmmütze findet es aber ganz offensichtlich auch klasse, dass er in dem Museumsgarten in einem überdimensional großen Blumentopf herumklettern und den Erwachsenen aus luftiger Höhe beim Gärtnern zuschauen kann. Christiane Vopat/Foto: Kunz
Anton Wachtel
Arbeitet mit psychisch Kranken im Garten: Anton Wachtel.
Von Anfang an dabei im Hackgarten ist Anton Wachtel (57). Er ist Landschaftsgärtner und Arbeitstherapeut im Caritas-Förderzentrum St. Johannes. Er kümmert sich mit psychisch behinderten und kranken Menschen um eine ganze Reihe von Beeten auf dem Klüberplatz. Angepflanzt haben sie unter anderem Heilpflanzen wie Johanniskraut, Baldrian, Hopfen, Thymian und Lavendel. „Alles Pflanzen mit einer beruhigenden Wirkung“, erzählt der Landschaftsgärtner. Der Hackgarten ist für ihn ein Erfolg. „Hier hat sich eine Gärtnergemeinschaft gebildet.“ Und dazu gehörten auch die psychisch Kranken. „Für mich ist das hier gelebte Inklusion.“ Die Gärtnerarbeit stärke bei den Patienten das Selbstwertgefühl und sie bekämen Kontakt zu „normalen“ Menschen. Wegen des Neubaus des Förderzentrums gegenüber dem Hack-Museum mussten die St. Johannes-Bewohner in ein Ausweichquartier nach Friesenheim umziehen. Dadurch ist die Nähe zum Garten etwas verloren gegangen. Aber ab Sommer 2018 sind die Bewohner wieder Nachbarn des Hack-Gartens. „Wir freuen uns schon drauf“, sagt Wachtel. Michael Schmid/Foto: Kunz